Hunde bei Depression

Wie Hunde Menschen mit Depression unterstützen können

Viele Patienten berichten in einer Psychotherapie, wie wichtig ihnen ihr Hund als Unterstützung im Alltag ist. Forscher haben herausgefunden, dass die emotionale Intelligenz, sprich die Fähigkeit Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen und zu verstehen, von Hunden sogar höher sein könnte, als die von Menschen. Erfahre, wie und warum Hunde bei Depressionen unterstützen können. 

Leben mit Hund 

Der Vorteil eines eigenen Hundes liegt auf der Hand: Wer einen Hund hat, kommt deutlich häufiger mit Menschen ins Gespräch. Beim Gassigehen ergeben sich fast wie von selbst Unterhaltungen mit anderen Hundehaltern. Aus den lockeren Kontakten können mit der Zeit engere Verbindungen werden, denn die meisten Hundebesitzer gehen immer um die gleiche Uhrzeit Gassi. So läuft man einander fast automatisch über den Weg. Andererseits bringt ein eigener Hund auch Verpflichtungen mit sich, er muss versorgt und beschäftigt werden. Insbesondere für Menschen mit starken Depressionen kann das eine zusätzliche Belastung darstellen.

Hunde sind aber wohl gerade deshalb so beliebt bei Menschen mit Depressionen und Co., weil sie bei all der Arbeit, die sie bedeuten, auch bedingungslose Liebe schenken: Ein Hund interessiert sich nicht für Gehalt, Aussehen oder Erfolg im Leben. Auf diese Weise können Hunde das Selbstwertgefühl erheblich steigern und sind deshalb eine gute Unterstützung zu einer Psychotherapie.

Die emotionale Intelligenz von Hunden

Bei Intelligenztests schneiden die Vierbeiner im Vergleich zu anderen Tierarten oft nicht mit den allerbesten Ergebnissen ab. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Hunde vor allem emotional intelligent sind – und in diesem Bereich sogar uns Menschen haushoch überlegen sein könnten.

So scheint der bekannte Dackelblick alles andere als ein Zufall zu sein. Viel eher handelt es sich wohl um einen gezielten Kommunikationsversuch mit dem Menschen. Tatsächlich haben Verhaltensbiologen entdeckt, dass Hunde ihre Mimik bewusst einsetzen können. In einem Versuch mit 24 Familienhunden konnte ein Forscherteam der Universität Portsmouth (Großbritannien) nachweisen, dass Hunde im direkten Kontakt mit Menschen deutlich mehr Gesichtsausdrücke zeigen, als wenn sie nur unter Artgenossen sind.

Dieser Effekt konnte bis dahin nur bei Primaten wie Schimpansen oder Orang-Utahs beobachtet werden. Die Forscher sind überzeugt davon, dass es sich tatsächlich um einen Kommunikationsversuch handelt und die Mimik nicht etwa nur das aktuelle Befinden des Tieres ausdrückt.

Können Hunde menschliche Emotionen verstehen?

Trotz ihrer unterschiedlichen Artzugehörigkeit scheinen Hunde sogar dazu in der Lage zu sein, die Gefühle von Menschen richtig interpretieren zu können. Unter Hundehaltern ist das natürlich schon lange kein Geheimnis mehr, doch diese Fähigkeit konnte mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen werden.

In einem anderen Versuch sollten die Tiere fröhliche und schimpfende, menschliche Laute mit der dazu passenden menschlichen Mimik in Verbindung bringen. Wurde der fröhliche Laut abgespielt und blickte der Hund daraufhin länger als 2,5 Sekunden auf das fröhliche Gesicht, so nahmen die Forscher das als Beweis dafür, dass das Tier die dargestellten Emotionen verknüpfen und richtig interpretieren konnte. In 67 Prozent der Fälle gelang es den Hunden, menschliche Laute und Gesichtsausdrücke richtig miteinander zu kombinieren. Diese Fähigkeit konnte bisher bei keiner anderen Tierart in diesem Ausmaß nachgewiesen werden.

Tiergestützte Therapie: Der Einsatz von Hunden im therapeutischen Bereich

Ein Hund ist kein Therapeut und kann diesen auch nicht ersetzen. Aufgrund ihrer hohen Kommunikationsfreudigkeit werden Hunde jedoch seit vielen Jahren im therapeutischen Bereich eingesetzt. Es gibt in Deutschland zahlreiche Institutionen und private Vereine, in denen Welpen gezielt für den Einsatz als Therapiehund ausgebildet werden.

Theoretisch sind alle Rassen als Therapiehunde geeignet, bevorzugt kommen jedoch Schäferhunde, Jagdhunde und Golden Retriever in die Ausbildung. Später sind die Einsatzbereiche der Tiere dann extrem vielfältig. Gerade für Patienten mit hartnäckigen Depressionen oder Angststörungen kann ein Therapiehund eine echte Erleichterung im Alltag sein.

Alternativen zum eigenen (Therapie-)Hund

Nicht jeder kann sich einen eigenen Hund leisten oder scheut die Verantwortung und den zeitlichen Aufwand, die die Haltung eines solchen Tieres mit sich bringt. Gerade junge Hunde können anstrengend und fordernd sein, weshalb die Anschaffung gut überlegt sein will.

Für Menschen mit Depressionen ist es wichtig, aktiv zu werden. Hierbei kann der Umgang mit einem Hund eine große Hilfe sein. Wer einen Hund testweise an seiner Seite wissen will, kann sich zum Beispiel als Dogsitter anbieten und so einen Hund zum regelmäßigen Gassigehen finden.

Eine weitere Option für den regelmäßigen Kontakt zu einem Hund bieten  Tierheime. Die Mitarbeiter freuen sich über jede helfende Hand und bieten zum Beispiel auch die Möglichkeit, einen ganz bestimmten Hund regelmäßig zum Gassigehen auszuführen. Auch der Tierheimhund profitiert von der Beziehung zu einem Menschen und freut sich, wenn er ihn zu einem gemeinsamen Spaziergang abholt. Und wer weiß, vielleicht fällt durch das sanfte Kennenlernen schon bald die Entscheidung dafür, den Hund aufzunehmen?