Wenn Eltern sich trennen: 3 Tipps, wie Kinder diese Zeit gut überstehen

Die Gründe für eine Trennung können vielfältig sein: Man hat sich auseinander gelebt, sich falsche Vorstellungen über den Partner gemacht oder auch längst schon einen neuen. Wo einst Liebe war, sind dann plötzlich Misstrauen, Ärger, Wut oder sogar Hass. Es ist nicht unsere Schuld, wenn sich Gefühle verändern, doch manchmal ist es besser, sich zu trennen – auch für die gemeinsamen Kinder.

Kinder haben ein feines Gespür. Haben Mama und Papa sich eines Tages nicht mehr lieb, entgeht ihnen das auf Dauer nicht. Eltern stellt das vor eine herausfordernde Situation: Sie können sich zwar als Liebespaar trennen, doch durch ihre Kinder werden sie für immer auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden bleiben. Eine bevorstehende Trennung sollten Eltern ihren Kindern darum besonders einfühlsam vermitteln.

Welche Spuren die Trennung in der Psyche ihres Kindes hinterlässt, können Eltern beeinflussen

131.955 minderjährige Kinder waren laut Statistik 2016 von einer Scheidung betroffen. In manchen Grundschulen soll es Klassen geben, in denen bis zu 80 Prozent der Kinder getrennte Eltern haben. Nach Einschätzung von Psychologen haben Trennungskinder ein um bis zu 65 Prozent erhöhtes Risiko, später im Leben eine Alkohol- oder Drogensucht zu entwickeln. Auch das Risiko für psychische Erkrankungen steigt nachweislich.

Doch solch eine negative Entwicklung nach einer Trennung ist keineswegs vorprogrammiert. Gelingt Eltern trotz aller Zerwürfnisse in der Zweierbeziehung weiterhin ein wertschätzender Umgang als Mutter und Vater miteinander, können Scheidungskinder genauso glücklich werden, wie alle anderen.

Was Eltern konkret tun können, um ihren Kindern eine Trennung so schonend wie möglich beizubringen, zeigen die folgenden drei Tipps!

1. Nicht um den heißen Brei herumreden!

 

Generell gilt, dass Eltern eine bevorstehende Trennung ihren Kindern auf keinen Fall verschweigen sollten. Ist eine endgültige Entscheidung gegen den Fortbestand der Partnerschaft gefallen, müssen die Kinder informiert werden. Andernfalls riskieren Eltern, dass sich diffuse Befürchtungen und Ängste entwickeln, weil die Kinder auf die eine oder andere Weise längst mitbekommen haben, dass etwas nicht stimmt.

„Wir wollen uns trennen“ – für das Überbringen dieser schwierigen Botschaft müssen Eltern einiges an Fingerspitzengefühl beweisen. Sie sollten bereits im Vorfeld zusammen überlegen, wie das Gespräch ablaufen könnte. Es ist wichtig den Kindern zu vermitteln, dass sie auf keinen Fall Schuld an der Trennung der Eltern sind. Vor allem jüngere Kinder können stark irritiert werden, wenn sie erfahren, dass Mama und Papa sich trennen wollen. Sie verfügen noch über ein so genanntes „magisches Denken“ und können leicht meinen, der wahre Grund für die Trennung zu sein. Dafür kann es schon ausreichen, wenn Papa beispielsweise während einer längeren Autofahrt einmal gesagt hat „Ich halte es mit diesem Kind nicht mehr aus“, weil es während der Fahrt sehr unruhig war und ständig gequengelt hat.

Eltern sollten Kindern immer signalisieren, dass sie auch nach einer Trennung beide für das Kind oder die Kinder da sein möchten. Sie sollten überdies nicht die Erwartung haben, dass ein Kind Verständnis für die Trennung seiner Eltern zeigen kann. Aufkommende Trauer oder auch Wut sind ganz normale Empfindungen in diesem Moment und dürfen nicht als unangemessen bewertet werden.

Auch wenn es schwer fällt ist es wichtig, die Trennung als eine endgültige Entscheidung zu kommunizieren. Gleichzeitig muss vermittelt werden, dass die Kinder nichts getan haben, was diese Entscheidung in irgendeiner Weise beeinflusst haben könnte.

2. Über Ängste und Befürchtungen sprechen und aktiv nachfragen

 

Das Gespräch über die Trennung seiner Eltern wird einem Kind vermutlich ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Gelingt es den Eltern diese sensible Situation gut zu meistern, so ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass die Trennung vor allem langfristig gut verarbeitet werden kann.

Eltern sollten aber auch nach dem entscheidenden Gespräch weiterhin für das Thema ansprechbar bleiben. Eine Trennung ist immer auch ein Prozess und jedes Kind ist anders. Es kann immer wieder Phasen geben, in denen ein Kind sehr traurig ist oder trotz aller wohlmeinenden Beteuerungen Verlustängste entwickelt. Es ist dann darauf angewiesen, dass Mama oder Papa es trösten und mit all seinen Empfindungen ernst nehmen.

In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, wenn Eltern auch von sich aus das Gespräch suchen. Sie können zum Beispiel fragen, ob der Sohn oder die Tochter andere Kinder kennt, deren Eltern getrennt leben. Wie erlebt es diese Kinder? Hat es den Eindruck, sie seien unglücklich? Auf diese Weise kann das Kind dazu ermutigt werden, offen über eigene Ängste zu sprechen. Gleichzeitig wird dem Kind so signalisiert, dass Mama und Papa immer noch da sind und es weiterhin für beide wichtig ist.

3. Gesundheitlichen Problemen vorbeugen: Eltern müssen miteinander in Kontakt bleiben

 

Damit Trennungskinder sich gut entwickeln können ist es wichtig, dass zu beiden Elternteilen ein Kontakt bestehen bleiben kann. Nur weil Mama und Papa sich gegenseitig nicht mehr lieb haben muss das nicht bedeuten, dass das Kind jetzt auch eines der Elternteile nicht mehr lieben darf.

Kommt es zu Störungen in diesem Bereich, sprechen Psychologen vom so genannten Parental Alienation Snydrome (dt.: Eltern-Kind- Entfremdung). Weil Kinder nach einer Trennung zumeist bei der Mutter bleiben, sind überwiegend Väter und ihre Kinder von diesem Phänomen betroffen. Kinder lehnen den betreffenden Elternteil dann ab oder entwerten diesen sogar. Hierbei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine Form der Manipulation des betreuenden Elternteils, die dem Kind langfristig schadet.

Eine ungünstig verlaufende Trennung kann Kinder auch körperlich stark belasten und ihre Abwehrkräfte dauerhaft vermindern. Schon das Risiko, eine Erkältung zu bekommen, ist Experten zu Folge für Trennungskinder um bis zu dreimal höher. Trennungskinder sollen sogar ein höheres Risiko haben, im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken.

Ob es in Folge einer Scheidung zu gesundheitlichen Problemen kommt, wird offenbar ganz entschieden von der Kommunikationsfähigkeit der Eltern beeinflusst: Gelingt es ihnen auch nach der Trennung miteinander zu sprechen und als Eltern in Kontakt zu bleiben, haben Scheidungskinder gegenüber Kindern aus intakten Familien kein erhöhtes Risiko, krank zu werden.

Wenn die Fronten zu sehr verhärtet sind und Eltern es trotz aller guten Vorsätze nicht schaffen, sich vernünftig zu trennen ohne die Kinder zu belasten, kann die Beratung durch einen Coach oder Therapeuten eine entscheidende Erleichterung darstellen – und langfristigen Schäden am Kind vorbeugen.