Depressive Frau

Hat mein Freund eine Depression? – Warnzeichen erkennen und richtig reagieren

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sie enden oft tödlich: Etwa 10.000 Menschen im Jahr sterben durch Suizid, sehr viele von ihnen waren depressiv. Ein aufmerksames Umfeld ist hilfreich, damit Menschen mit Depressionen sich nicht völlig zurückziehen und unbemerkt leiden. Doch woran kann man eine Depression erkennen? Wir erklären, welche Warnhinweise du beachten solltest und wie du reagieren kannst.

Falsche Vorstellungen: nicht jede Depression ist gleich

Wer an einer Depression leidet, ist immer traurig, oder? Nein, so einfach ist es nicht. Eine Depression äußert sich bei jedem Menschen ein wenig unterschiedlich, jeder Betroffene empfindet sie anders. Häufig steht gar nicht die Traurigkeit im Vordergrund, sondern das Gefühl, gar nichts empfinden zu können. Freude, Traurigkeit, Wut und Trauer – alles wirkt abgeflacht und trüb. Es scheint, als könne man nie wieder etwas Schönes empfinden, und das macht hoffnungslos. Allerdings: Viele Depressive sind sehr gut darin, ihre Probleme zu verstecken. Sie lachen, feiern und arbeiten wie andere auch. Sie wollen den Eindruck vermitteln, alles sei in Ordnung. Und häufig gelingt das auch sehr gut. Es ist also möglich, dass man einem Depressiven über lange Zeit gar nicht viel anmerkt. Trotzdem gibt es Warnzeichen, auf die du achten kannst.

Anzeichen einer Depression

Eine Depression geht mit vielen verschiedenen Symptomen einher, die für sich alleine ganz andere Ursachen haben können. Und: Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Kommen aber mehrere Warnzeichen zusammen oder ist eines stark ausgeprägt, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Warnzeichen für eine Depression sind zum Beispiel:

  • Antriebsschwäche: Depressiven Menschen fällt es zunehmend schwer, ihren täglichen Aufgaben nachzugehen. Sie können sich einfach nicht aufraffen.
  • Gedrückte Stimmung: Eine negative, hoffnungslose Sichtweise auf die Welt tritt bei den meisten Depressiven auf. Allerdings schaffen es viele, diese gut zu verstecken.
  • Teilnahmslosigkeit: Die Betroffenen wirken, als hätten sie das Interesse für ihre Umwelt verloren. Selbst Dinge, die ihnen bisher Spaß gemacht haben, scheinen nicht mehr wichtig zu sein.
  • Sozialer Rückzug: Freunde zu treffen und an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, ist für Depressive sehr anstrengend und kaum zu leisten. Außerdem wollen viele den Schein des Normalen wahren und ziehen sich deshalb zurück.
  • Verändertes Schlaf- oder Essverhalten: Viele Menschen mit Depressionen entwickeln Schlafstörungen und kommen kaum noch zur Ruhe. Andere schlafen viel mehr als sonst. Auch beim Essen gibt es unterschiedliche Veränderungen: Manche Betroffenen haben kaum Appetit und verlieren deutlich an Gewicht. Andere essen übermäßig viel und nehmen zu.
  • Sexuelle Unlust: Es gibt viele mögliche Gründe dafür, die Lust an Sexualität zu verlieren. Eine Depression ist einer davon.
  • Konzentrationsprobleme: Manchmal sind starke Konzentrationsschwierigkeiten das erste Problem, das auffällt. Die Betroffenen sind innerlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt und haben Mühe, den Schein des Alltäglichen aufrecht zu halten.
  • Körperliche Beschwerden: Immer wiederkehrende körperliche Beschwerden, für die es keine ausreichende medizinische Begründung gibt, können von einer Depression ausgelöst sein. Dazu gehören zum Beispiel Rückenschmerzen, Magen- Darm-Beschwerden, Herzprobleme oder Kopfschmerzen.
  • Aggressives Verhalten: Die destruktiven Gedanken können sich in aggressivem Verhalten ausdrücken. Reagiert das Gegenüber ebenfalls aggresiv, verstärkt das die negativen Gedanken.
  • Vernachlässigung der äußeren Erscheinung: Wenn sich jemand plötzlich nicht mehr gut pflegt, kann das auf eine Depression hindeuten.
  • Angedeutete Suizidgedanken: Spätestens hier solltest du sehr hellhörig werden und reagieren. Nicht immer sind die Suizidgedanken deutlich formuliert. Auch Aussagen wie diese können auf eine Selbstmordgefahr hindeuten: „Ich halte das alles nicht mehr aus“, „Mein Leben hat keinen Sinn mehr“, „Ihr wärt ohne mich besser dran“ oder „Bald muss ich mich darum nicht mehr kümmern“. Ein weiteres Alarmzeichen: Der Betroffene ordnet seine Angelegenheiten, verschenkt Wertgegenstände oder verabschiedet sich von Freunden und Familie.

Wie reagiere ich, wenn ich Suizidgefahr vermute?

Viele Menschen denken, wer von Selbstmord spricht, meint es nicht ernst. „Der will nur Aufmerksamkeit“, ist das brutale Urteil. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Acht von zehn Betroffenen haben vor ihrem Selbstmordversuch ihre Absicht deutlich geäußert, wurden aber nicht gehört. Nimm deshalb Hinweise auf eine Selbstmordgefahr unbedingt ernst und reagiere:

  • Sprich deinen Freund oder Angehörigen auf deinen Verdacht an.
  • Unterstütze den Betroffenen darin, so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu suchen.
  • Sind die Suizidabsichten konkret, rufe im Zweifelsfall selbst bei einer psychiatrischen Klinik oder bei der Notrufnummer 112 an.

So kannst du beim Verdacht auf eine Depression helfen:

Wenn du bei einem nahestehenden Menschen eine Depression vermutest, dann sprich ihn oder sie darauf an. Äußere, dass du Veränderungen bemerkst und gerne helfen möchtest. Halte dich aber mit gut gemeinten Ratschlägen zurück. Eine Depression ist ein echtes Störungsbild und eine ernstzunehmende Krankheit, bei der Aufmunterungsversuche nur wenig bringen. Unterstütze den Betroffenen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Die klinische Psychologie kennt viele Ansätze, um Depressionen wirkungsvoll zu behandeln. Mache deutlich, dass du den Betroffenen unterstützen möchtest und für Gespräche zur Verfügung stehst. Wiederhole dieses Angebot und gehe auch selbst immer wieder auf deinen Freund oder Angehörigen zu. Bleibe geduldig. Und: Überfordere dich selbst nicht. Biete nur das an, was du auch wirklich leisten kannst und willst.