Eifersucht in der Beziehung

Eifersucht – wann ist sie schädlich und wie überwinde ich sie?

Eifersucht kennen die meisten Menschen, und solange sie nicht stark ausgeprägt ist, stellt sie auch kein großes Problem dar. Schwierig wird es, wenn ein Partner so eifersüchtig ist, dass er oder sie die Beziehung gefährdet. Um übertriebene Eifersucht loszuwerden, musst du zunächst einmal wissen, wo sie herkommt…

Schon kleine Kinder sind eifersüchtig:

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass schon Babys im Alter von fünf bis sechs Monaten unwillig reagieren, wenn ihre Mutter sich mit einem anderen Kind oder einer Puppe beschäftigt. Geschwister rivalisieren stark um die Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern. Und in der Jugendzeit scheint es vor allem bei Mädchen große Eifersüchteleien zwischen Freundinnen zu geben. Ist Eifersucht also ein normales menschliches Verhalten? In gewisser Weise schon, sagen viele Psychologen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es für Kinder ein Überlebensvorteil, eifersüchtig zu sein: Je mehr Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen sie bekommen können, umso besser werden sie versorgt. Ob wir jedoch auch noch als Erwachsene eifersüchtig sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Eifersucht oder Neid? Eine Begriffsklärung:

Die beiden Begriffe Eifersucht und Neid werden oft fast gleichwertig benutzt. Tatsächlich handelt es sich aber um zwei verschiedene Emotionen: Neidisch bist du auf jemanden, der etwas hat, das du auch gerne hättest. Es sind also zwei Personen beteiligt: du selbst und die Person, die du beneidest. Eifersucht spielt sich dagegen immer zwischen drei Personen ab: Es geht darum, die Zuwendung deines Partners/deiner Partnerin (oder eines anderen Menschen) gegen andere zu verteidigen. Die dritte Partei muss nicht unbedingt wirklich existieren: Schon der Gedanke daran, dass der Partner oder die Partnerin einen anderen Menschen attraktiver finden könnte, kann große Eifersucht auslösen.

Wann wird Eifersucht schädlich?

Ein bisschen Eifersucht ist okay: Ein mulmiges Gefühl in „gefährlichen“ Situationen stellt kein großes Problem dar. Schwierig werden die Verhaltensweisen, die aus massiver Eifersucht entstehen können:

  • Misstrauen: Du hast häufig das Gefühl, dein Partner/deine Partnerin könnte dich hintergehen oder dir etwas verheimlichen.
  • Kontrollen: Um mögliche Seitensprünge aufzudecken, durchsuchst du die Taschen, kontrollierst das Handy, telefonierst deinem Partner/deiner Partnerin hinterher und/oder riechst an seiner/ihrer Kleidung.
  • Aggression: Du machst deinem Partner/deiner Partnerin eine „Szene“, hast abwertende Gefühle gegen ihn/sie oder wirst sogar gewalttätig. (Eifersucht kann im Extremfall lebensgefährlich werden: Bei den meisten Mordfällen von (Ex-)Partnern ist Eifersucht ein wichtiges Motiv.)
  • Angst: Das Gefühl, dein Partner/deine Partnerin könnte dich hintergehen oder verlassen, versetzt dich in große Angst. Du hast das Gefühl, das könntest du kaum verkraften.
  • Selbstabwertung: Deine Gedanken kreisen sehr häufig um einen möglichen Betrug deines Partners/deiner Partnerin. Du fühlst dich herabgesetzt, gedemütigt und hast zusätzlich Schuldgefühle wegen deines eifersüchtigen Verhaltens.
  • „Klammern“: Du möchtest deinen Partner/deine Partnerin am liebsten gar nicht aus den Augen lassen. Unternehmungen mit Freunden oder alleine möchtest du gar nicht zulassen. Du schreibst ihm/ihr bestimmte Verhaltensweisen vor, zum Beispiel was er/sie tragen oder mit wem er/sie sich treffen darf.

Solche Verhaltensweisen können die Beziehung schwer beeinträchtigen und schließlich zu dem führen, was du am meisten fürchtest: zur Trennung.

Woher kommt krankhafte Eifersucht?

Eine wichtige Erkenntnis über Eifersucht lautet: Sie hat nichts mit deinem Partner/deiner Partnerin zu tun. Nicht er/sie macht dich mit seinem Verhalten eifersüchtig. Die Ursachen dafür liegen in dir: Übersteigerte Eifersucht hat meist mit einem schlechten Selbstwertgefühl zu tun. Wenn du dich selbst nicht liebst, fällt es dir auch schwer, zu glauben, dein Partner/deine Partnerin könne dich auf Dauer lieben. Verlusterfahrungen in der Kindheit können die Eifersucht im Erwachsenenalter verstärken. Haben deine Eltern sich getrennt, hatten sie viel Streit miteinander oder ist sogar ein Elternteil früh verstorben, dann hat das wahrscheinlich Verlustängste bei dir ausgelöst. Und diese zeigen sich jetzt in deiner Eifersucht. Und schließlich spielen auch Erfahrungen aus früheren Beziehungen eine Rolle: Wenn frühere Partner/Partnerinnen dich betrogen oder hintergangen haben, dann hast du natürlich Angst, dass das wieder passieren könnte. Auch hier spielen Verlustängste eine große Rolle.

Wie kann ich krankhafte Eifersucht überwinden?

Spätestens dann, wenn du selbst oder dein Partner/deine Partnerin unter deiner Eifersucht leidet oder diese die Beziehung belastet, ist es Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Um deine Eifersucht zu überwinden, muss dir zunächst klar sein: Nicht dein Partner/deine Partnerin muss sein/ihr Verhalten ändern. Die Eifersucht entsteht in dir selbst und dort musst du auch ansetzen. Besonders wichtig bei der Überwindung der Eifersucht ist die Stärkung deines Selbstwertgefühls. Denn hier liegt oft das größte Problem. Du musst lernen, dich selbst für liebenswert zu halten und deine positiven Seiten wahrzunehmen. Das kann eine schwierige Aufgabe sein, bei der du vielleicht Hilfe brauchst. Die Psychologie und Psychotherapie kennt viele Methoden, um das Selbstwertgefühl nach und nach zu stärken. Und schließlich solltest du auch daran arbeiten, unabhängiger zu werden. Unternimm etwas mit Freunden oder alleine, geh deinen eigenen Hobbys nach und verbringe wertvolle Zeit auch ohne deinen Partner/deine Partnerin. Auch das stärkt dein Selbstvertrauen und schwächt außerdem die Verlustangst ab. Unser Rat: Warte nicht, bis deine Beziehung ernsthaft gefährdet ist, sondern gehe das Thema Eifersucht noch heute an, im Zweifelsfall mit professioneller Unterstützung.