Videospiele – Die Psychologie hinter dem Spaß.

Videospiele entwickeln sich vermehrt von bloßem Spaß zu tiefgründigen Erfahrungen
Für Kritiker, die Videospiele lediglich als beliebten Zeitvertreib ohne Tiefgang bezeichnen, könnte es bald Game Over heißen. Ein Team von Wissenschaftlern gibt zu bedenken, dass viele Spiele ihren Nutzern durchaus bedeutsame Inhalte und Erfahrungen vermitteln.

In einer Untersuchung, in der die Erfahrungen von Videospielern erfasst wurden, gaben diese an, dass sie nicht nur zum Zeitvertreib spielten, sondern von Videospielen teils auch auf einem ästhetisch anspruchsvolleren Level berührt wurden. Diese Erkenntnisse sollten Videospielentwickler verstärkt ermutigen, Spiele zu entwickeln, die rührendere und tiefgreifendere Inhalte bieten.

“Videospiele werden oft als ausschließlich spaßig und unterhaltsam abgestempelt, aber nicht als etwas angesehen, das ernsthaft gewürdigt werden sollte“, sagt Mary Beth Oliver, Professorin der Medienwissenschaften und stellvertretende Direktorin des Media Effects Research Laboratory in Penn State. „Videospiele genießen einfach nicht dieselbe kritische Würdigung, mit der zum Beispiel Bücher, Theaterstücke oder sogar Musik betrachtet werden.“

Die Studienteilnehmer beschrieben, dass Teile der Spielhandlung zu Gefühlen von Anerkennung führten. Sie brachten zudem an, dass tiefgreifendere Spiele zu größerer Einsicht in menschliches Erleben und Verhalten führten und insgesamt eine größere geistige Bereicherung darstellen.

“Diese Einsicht kann alles sein, von einer Emotion, über Tugenden – wie Tapferkeit – bis zu Einsichten in die menschliche Spiritualität“, sagt Professor Oliver.

Die Forscher, die ihre Ergebnisse in der neuesten Ausgabe von Psychology of Popular Media Culture veröffentlichten, sagen, dass Videospiele dazu in der Lage sind, die Spieler zu fordern und zu belohnen.

“Es mag natürlich stimmen, dass es Spiele gibt, die flachgründig und einfältig sind, aber das gilt für fast alle Formen von Unterhaltung“, so Oliver. „Unsere Untersuchung belegt, dass entgegen der allgemeinen Meinung, Spiele durchaus das Potential haben für Spieler genauso bedeutsam zu sein, wie angesehenere Medien: Bücher oder Kinofilme zum Beispiel.“

“Videospiele bieten ihren Spielern zudem die Möglichkeit, wertvolle Situationen und Emotionen zu erleben, die in anderen Unterhaltungsformen so nicht vorkommen”, fügt Oliver hinzu.

“Während Leser oder Zuschauer meist nur passive Zeugen der Entscheidungen ihrer Helden aus Filmen oder Büchern sind, ist es bei vielen Videospielen so, dass der Spieler selbst Entscheidungen trifft, die zu Gefühlen von Stolz oder Schuld führen können.“ fügt sie hinzu.

Spiele mit interaktiverem und tiefgreifenderem Inhalt zu programmieren, ist für Entwickler zwar eine Herausforderung, könnte sich aber den Ergebnissen der Studie nach zu urteilen deutlich lohnen.

Die zunehmende Fokussierung auf das Erzählen von Geschichten und die damit verbundenen Emotionen sei bei Videospielen eine natürliche Entwicklung, so Nick Bowman, Dozent der Kommunikationswissenschaften und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Studie an der West Virginia University, der mit Oliver zusammenarbeitet.

“Die ersten Videospiele überhaupt hatten nur sehr wenig mit anderen Arten geschichtenerzählender Unterhaltung zu tun“ sagt Bowman „Spiele haben sich von simplen point-and-click designs zu beeindruckend fesselnden emotionalen Erfahrungen entwickelt und können uns damit heute dieselben Gefühle vermitteln wie zum Beispiel Bücher oder Musik.“

Ein Beispiel dafür ist laut Bowman das Spiel Spec Ops. Der Spieler wird dort mit der moralischen Entscheidung konfrontiert, ob er chemische Waffen gegen seine Gegner einsetzen soll. Eine mögliche Konsequenz dieser Entscheidung ist, dass unschuldige Flüchtlinge Opfer des Angriffs werden. Der Spieler wird zudem dazu gezwungen, sich die Ergebnisse seiner Entscheidung anzusehen, was zu gemischten Gefühlen führt.

“Solch eine Erfahrung gibt Spielern den Raum, die eigenen Sichtweisen über die Welt zu überdenken, so wie es auch Filme wie Schindlers Liste oder Bücher wie Farm der Tiere getan haben“ sagt Bowman. „Videospiele sind erwachsen geworden“

In der Studie wurden 512 Videospieler zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen und darum gebeten, Spiele anzugeben, die für sie besonders bedeutend waren oder ihnen besonders viel Spaß gemacht haben. Anschließend sollten sie ihre Wahrnehmung der Spiele bewerten. Obwohl die Spieler angaben, dass ihnen beide Arten von Spielen Spaß gemacht hätten, zeigte sich, dass sie den Spielen mit mehr Tiefgang mehr Anerkennung gegenüber brachten.

 

Übersetzungsquelle:

http://www.sciencedaily.com/releases/2015/04/150415203543.htm

 

Ihr Praxis-Team Vivelian