Suizidprävention Hilfe

Suizidprävention: wie Hilfe in der Krise möglich ist

Etwa 10.000 Menschen in Deutschland sterben pro Jahr an einem Suizid, die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Dazu kommen geschätzte 100.000 Suizidversuche, die nicht zum Tod führen. Selbstmord liegt damit in der Liste der Todesursachen weit oben. Zum Vergleich: Durch Verkehrsunfälle starben im Jahr 2017 in Deutschland 3177 Menschen. Wie kommt es zu einer so hohen Zahl? Und wie kann man sie verhindern?

Suizidalität: mögliche Auslöser 

Sehr viele Menschen hatten schon einmal Suizidgedanken. Vor allem in Zeiten großer persönlicher Verluste (zum Beispiel nach dem Tod eines geliebten Menschen) oder Umwälzungen (zum Beispiel in der Pubertät) kommt das häufiger vor. In den meisten Fällen vergeht der Gedanke jedoch schnell wieder. Bleibt er hartnäckig und drängt sich immer wieder auf, besteht Handlungsbedarf.

Suizidalität bedeutet Suizidgefährdung oder (umgangssprachlich) Lebensmüdigkeit. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Häufig steckt eine psychische Erkrankung dahinter, zum Beispiel eine Depression, eine Angststörung oder eine Persönlichkeitsstörung wie z.B. die Borderline-Störung. In anderen Fällen sind traumatische Erlebnisse oder Suchtprobleme an der Entstehung von Suizidalität beteiligt. Gemeinsam ist suizidalen Menschen das Gefühl von großem Leid und völliger Hoffnungslosigkeit. Der Tod scheint der bessere, leichtere oder einzig mögliche Weg zu sein. Viele verschiedene Studien zeigen jedoch: Suizidprävention ist möglich. Es gibt verschiedene wirkungsvolle Ansätze, um suizidalen Menschen zu helfen, ihre Lebenskrisen zu überwinden. Um darauf hinzuweisen und aufzuklären, gibt es jedes Jahr am 10. September den Welttag der Suizidprävention.

Was kann ich tun, wenn ich selbst Suizidgedanken habe?

Mache dir zunächst einmal klar: Suizidgedanken bedeuten nicht, dass du diese auch in die Tat umsetzt. Im ersten Schritt ist es deshalb sinnvoll, Suizidgedanken als das anzusehen was sie sind: Ein Hinweis darauf, dass du aktuell sehr unglücklich oder überfordert bist. Versuche, dir in solchen Situationen zunächst einmal etwas gutes zu tun, anstatt an den Ursachen zu forschen – das kann dich nur weiter in die Hoffnungslosigkeit treiben. Überlege, was dir früher geholfen hat mit negativen Empfindungen umzugehen und Stress zu reduzieren. Das kann zum Beispiel ein gutes Buch oder ein bestimmter Sport sein.

Im nächsten Schritt solltest du mit jemandem über deine Suizidgedanken sprechen. Das kann eine vertraute Person wie ein Familienangehöriger, Freund oder Lehrer sein. Auch Ärzte und Therapeuten sind gute Ansprechpartner. Außerdem gibt es Hilfsnummern, an die du dich wenden kannst. In Deutschland ist zum Beispiel die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800/111 0 111 erreichbar. Hier kannst du kostenlos, rund um die Uhr und anonym über deine Probleme sprechen und bekommst Hilfe bei Suizidgedanken.

Alkohol und Drogen solltest du unbedingt vermeiden. Es fühlt sich vielleicht zunächst so an, als könntest du damit deine Sorgen betäuben. Tatsächlich können deine Selbstmordgedanken durch Rauschmittel noch stärker werden. Wenn du merkst, dass du bereits konkrete Pläne schließt indem du z.B. eine Suizidmethode auswählst, einen Abschiedsbrief schreibst oder einen Tag festlegst, solltest du dich sofort an deinen Hausarzt oder eine Klinik wenden. Dir wird geholfen!

5 Irrtümer über Suizidalität

Beim Thema Selbstmordgefahr gibt es einige weit verbreitete Irrtümer, die dafür sorgen können, dass suizidgefährdete Menschen nicht ernst genommen werden oder keine ausreichende Hilfe erhalten. Das sind die wichtigsten falschen Annahmen:

  • 1. Irrtum: Wer über Suizid redet, will nur Aufmerksamkeit und bringt sich nicht wirklich um. Falsch. Die meisten Betroffenen haben vor einem Selbstmord klar und deutlich von ihren Absichten gesprochen.
  • 2. Irrtum:  Wenn man über Suizidalität spricht, bringt man Menschen erst recht dazu, sich umzubringen. Falsch. Offene Gespräche können im Gegenteil Suizide verhindern. Umgekehrt wird sich niemand umbringen, nur weil du ihn/sie darauf angesprochen hast. Viele Suizidgefährdete suchen verzweifelt nach Menschen, mit denen sie offen reden und bei denen sie Hilfe bei Suizidgedanken finden können.
  • 3. Irrtum: Suizide geschehen ohne Vorwarnung. Falsch. Fast immer gibt es schon vor dem Suizidversuch deutliche Anzeichen, die jedoch häufig nicht gesehen oder ernst genommen wurden.
  • 4 Irrtum: Wenn sich jemand wirklich umbringen will, kann man das nicht verhindern. Falsch. In den meisten Fällen wünschen sich suizidale Menschen gar nicht, zu sterben. Sie wollen vielmehr, dass das Leid aufhört, das sie empfinden. Wenn es gelingt, andere Wege aufzuzeigen, um das Leiden zu verringern, geht in den meisten Fällen auch der Impuls vorbei, allem ein Ende zu setzen.
  • Irrtum: Wer einmal versucht, sich das Leben zu nehmen, wird das immer wieder tun. Falsch. Suizidgedanken sind bei den meisten Menschen nur während einer begrenzten Zeit ihres Lebens vorhanden. Wenn der Leidensdruck abnimmt, verschwindet in den meisten Fällen auch die Suizidalität.

Woran erkenne ich Suizidgedanken bei anderen, und was kann ich tun?

Wie schon erwähnt, gehen den meisten Suiziden Warnzeichen voraus. Betroffene sagen zum Beispiel Dinge wie: „Ihr wärt ohne mich besser dran“, „Das hat doch alles keinen Sinn mehr“, „Ich halte das alles nicht mehr aus“ oder „Am liebsten wäre ich gar nicht mehr da“. Ein weiteres Warnzeichen kann sein, dass sich jemand plötzlich stark zurückzieht.

Wenn du Sorge hast, ein nahe stehender Mensch könnte an Selbsttötung denken, solltest du ihn in einer ruhigen Minute darauf ansprechen. Nimm ihn ernst und höre zu. Vermeide Vorwürfe und Bagatellisieren und drücke aus, dass du dir Sorgen machst. Weise auf Hilfsmöglichkeiten hin und biete Unterstützung an, wenn du es dir zutraust. Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, kannst du dich unter der Nummer 0800/111 0 111 an die Telefonseelsorge wenden. Dort bekommst du konkrete Hilfe. Gehst du von einer akuten Selbstmordgefahr aus, wähle den Notruf.