Sucht erkennen

Sucht und Abhängigkeit: Wie man erste Anzeichen bei sich und anderen erkennt

Ob ein Joint nach einem harten Arbeitstag oder eine Nase Speed am Wochenende im Club: Drogen gehören inzwischen für viele Menschen zum Alltag. Werden so genannte weiche Drogen nur ab und zu genommen, bleibt der Konsum für viele ohne Folgen. Ab wann liegt eine Abhängigkeit vor?

Nicht jeder der Drogen konsumiert, ist automatisch süchtig. Neben Alkohol wird auch der Konsum von so genannten „Partydrogen“ in vielen Teilen der Gesellschaft mittlerweile immer häufiger toleriert. Wer ab und zu mal kifft oder beim Feiern Ecstasy nimmt, hat doch kein Drogenproblem – oder? Ganz so einfach wie es auf den ersten Blick scheint, ist diese Frage nicht zu beantworten. Denn eine entscheidende Rolle spielen sowohl die Häufigkeit des Konsums als auch das Vorliegen psychischer Erkrankungen.

Häufig ist es so, dass Drogen von bestimmten Patienten auch als eine Art Selbstbehandlung verwendet werden. Eine Abhängigkeit von diesen Substanzen stellt sich dabei in der Regel nicht von heute auf morgen ein. Im Gegenteil dauert es meist Monate, bis aus einem gelegentlichen Konsum eine solche entsteht. Ärzte und Therapeuten unterscheiden hierbei zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit.

Während manche Drogen wie zum Beispiel Cannabis ausschließlich psychisch abhängig machen, entsteht bei anderen bei längerfristigem Konsum sowohl eine psychische als auch eine körperliche Abhängigkeit. Eine körperliche Abhängigkeit erzeugt beim Ausbleiben der Droge mitunter schon nach kürzester Zeit massive Entzugssymptome. Das gilt nicht nur für illegale Drogen. Auch Alkohol und Beruhigungsmittel können starke Absetzsymptome verursachen, die sogar lebensgefährlich sein können.

Wie sich eine Abhängigkeit zeigt

Das Auftreten körperlicher Entzugssymptome ist das deutlichste Zeichen für das Vorliegen einer Suchterkrankung. Zu diesen zählen:

  • Schweißausbrüche
  • Panikattacken
  • Halluzinationen
  • Herzrasen
  • Schlaflosigkeit
  • Zittern
  • körperliche Unruhe

In Anbetracht dieser äußerst unangenehmen körperlichen Abhängigkeit einer Sucht, wird das psychische Abhängigkeitspotenzial von Drogen von vielen häufig unterschätzt oder nicht ernst genug genommen. Dabei geht eine seelische Abhängigkeit der körperlichen oft voraus und könnte, rechtzeitig erkannt, eine solche möglicherweise verhindern.

Wenn die Gedanken nur noch um den Konsum einer bestimmten Droge kreisen, nennen Suchttherapeuten diesen inneren Prozess ‚Craving‘. Es ist das deutlichste Anzeichen für eine Abhängigkeit. Auch wenn jemand bereits erkannt hat, dass ihm der Gebrauch einer bestimmten Droge mehr schadet als nützt, diese jedoch weiterhin konsumiert, so liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeit vor.

Woran du erkennen kannst, ob jemand psychisch abhängig ist

„Bist du abhängig?“ – Kaum jemand würde einem Freund so eine direkte Frage stellen, schließlich möchte man den anderen nicht bloßstellen. Darf man sich überhaupt in das Leben eines anderen einmischen? Fest steht, dass eine Sucht auch die schönste Freundschaft oder Partnerschaft gefährden kann, weil mit ihr immer auch eine Verhaltensänderung einhergeht. Gemeinsame Interessen und Hobbys werden unwichtig, wenn eine Droge das Leben eines Menschen bestimmt.

Möchtest du jemanden nicht direkt auf einen deiner Meinung nach problematischen Drogen- oder Alkoholkonsum ansprechen, können zunächst die folgenden Fragen hilfreich sein, um den Dingen auf den Grund zu gehen:

  • Hat die Person deiner Einschätzung nach noch Kontrolle über ihren Konsum? Weiß sie/er wann „Schluss ist“?
  • Kannst du Stimmungsschwankungen feststellen, insbesondere wenn die Substanz einmal nicht zur Verfügung steht?
  • Versucht die Person, ihren Konsum dir gegenüber zu verheimlichen, oder: Drehen sich eure Gespräche immer häufiger um das Thema Drogen und/oder Alkohol?
  • Hast du den Eindruck, dass die Person immer mehr trinkt oder immer höhere Dosen einer bestimmten Droge konsumiert?

Wie Therapie bei psychischer Abhängigkeit hilft

Sucht und Abhängigkeit werden von Fachleuten als psychische Erkrankungen gesehen und entsprechend behandelt. Aus psychologischer Sicht geht es Betroffenen meist darum, unangenehme Gedanken und Gefühle mit Hilfe des Drogenkonsums für eine Weile zu unterdrücken. Durch die Einnahme der Droge stellt sich im Gehirn ein Belohnungseffekt ein. Verschiedene Botenstoffe (u.a. Dopamin) werden ausgeschüttet, wodurch sich ein angenehmes Wohlgefühl beim Konsumenten einstellt.

Die wohl wichtigste Voraussetzung für den Beginn einer Therapie ist die Einsicht des Betroffenen, dass sein Konsum problematisch ist und er/sie tatsächlich Hilfe benötigt und bekommen möchte. Das Ziel von Suchttherapie ist in der Regel der vollständige Verzicht auf die Droge (Abstinenz) sowie das Finden von alternativen Problemlösestrategien und angenehmen Aktivitäten. Nur ein kleiner Teil der Erkrankten kommt mit einem reduzierten Gebrauch der Droge, wie etwa dem so genannten „Kontrollierten Trinken“, zurecht.

Weil es bei körperlichen Abhängigkeiten zu schwer kontrollierbaren Entzugssymptomen, wie beispielsweise lebensgefährlichen Krampfanfällen, kommen kann, steht vor dem Beginn einer ambulanten Therapie häufig die Entgiftung in einer spezialisierten Klinik. Je nach Art der Droge und in weniger schweren Fällen kann vor dem Beginn einer Psychotherapie auf solch einen klinischen Entzug verzichtet werden.

In der ambulanten psychotherapeutischen Behandlung geht es neben der Klärung der Ursachen der Sucht dann vor allem darum, alternative Strategien im Umgang mit unangenehmen Gefühlen zu erarbeiten. Zusätzlich wird das Selbstbewusstsein des Patienten gestärkt und die Persönlichkeit stabilisiert.

Oft ist es ratsam, auch die Angehörigen eines Abhängigen in den therapeutischen Prozess einzubeziehen. Eine gute und wichtige Ergänzung stellt außerdem die regelmäßige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe dar. Solche unterstützenden Angebote gibt es auch für Angehörige. Entsprechende Informationen erhalten Interessierte bei Selbsthilfe-Informationsstellen, die es in jeder größeren Stadt gibt.