Psychologie Ohrwurm

Ohrwürmer – so entstehen sie und so wirst du sie wieder los:

Musikalische Ohrwürmer können zu einer echten Plage werden: Stunden- oder tagelang verfolgt uns ein bestimmtes Lied und will einfach nicht mehr
verschwinden. Wer selbst Musik macht, viel Musik hört oder mit Liedern häufig Emotionen verbindet, ist besonders anfällig für die nervtötende Dauerschleife. Auch sensible Menschen werden häufiger von der Musik im Kopf heimgesucht. Zum Glück gibt es ein paar Tricks, den Ohrwurm wieder loszuwerden …

Welche Lieder werden zu musikalischen Ohrwürmern?

Manche Lieder setzen sich schon nach den ersten paar Tönen im Ohr fest und verschwinden einfach nicht mehr. Es genügen oft sogar schon einzelne Wörter, um einen Ohrwurm auszulösen. Ein paar Beispiele gefällig? „We are the champions“, „Atemlos durch die Nacht“ oder „Haribo macht Kinder froh“. Na, bist du noch ohrwurmfrei?

Ob ein Stück ein echter Massen-Ohrwurm wird oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Der Aufbau spielt zum Beispiel eine Rolle. Einfache, eingängige Melodien mit häufigen Wiederholungen bieten beste Voraussetzungen, dass das Lied Eingang in unser Langzeitgedächtnis findet und von dort aus als Ohrwurm abrufbar ist. Allerdings sollte es auch nicht zu simpel sein: Es muss immer wieder überraschende Elemente geben, damit der Song interessant genug ist.
  • Die Frage, wer ein Lied interpretiert, ist ebenfalls wichtig. Stücke von bekannten Interpreten bleiben eher im Ohr als solche von neuen Stimmen.
  • Je besser du ein Lied kennst, umso leichter bleibt es im Ohr. Deshalb setzen sich gerade die Lieder fest, die sowieso im Radio rauf- und runtergespielt werden.
  • Aber auch emotionale Dinge sind wichtig: Ein Song, der für dich eine wichtige Bedeutung hat, bleibt oft schon hängen, wenn du die ersten Töne hörst. Und: Auch Lieder, die dir gefallen, bleiben leichter im Ohr. Das ist super, wenn du mit dem Lied positive Erinnerungen verbindest. Bei negativen Emotionen ist es dagegen ganz besonders unangenehm.

Warum entsteht ein Ohrwurm:

Viele Lieder sind im Langzeitgedächtnis gespeichert und von dort abrufbar. Wenn dein Gehirn nun mit irgendeinem Reiz ein bestimmtes Lied verbindet, dann wird ein Stückchen davon abgespielt. Solche Reize können zum Beispiel Gerüche sein oder auch Stichwörter, eine bestimmte Wetterlage oder eine Person, mit der du ein bestimmtes Lied verknüpfst. Anders gesagt: So gut wie alles kann einen Ohrwurm auslösen, dafür musst du nicht einmal das Lied hören. Und wie wird man ihn nun wieder los?

Den Ohrwurm loswerden: Das sind die wirksamsten Tricks

1. Ablenken

 

Ohrwürmer entstehen vor allem dann, wenn dein Gehirn gerade nicht besonders gefordert ist, zum Beispiel bei Routineaufgaben, beim Spazierengehen, Duschen oder Geschirrspülen. Hat das Gehirn wieder mehr zu tun, verschwindet die Dauerschleife. Es hilft deshalb, dich zu beschäftigen: Lies ein spannendes Buch, ruf einen Freund an oder löse ein paar Rätsel. Zu schwierig darf die gewählte Aufgabe allerdings auch nicht sein, sonst lässt du dich zu schnell wieder ablenken – zum Beispiel mit deinem Ohrwurm.

2. aus dem Rhythmus aussteigen

 

Ein Ohrwurm bringt uns dazu, im Takt zu gehen, mit dem Fuß zu wippen oder auf die Tischplatte zu klopfen. Mit diesen Verhaltensweisen verstärken wir das Lied im Kopf aber eher noch. Versuche deshalb lieber, schneller oder langsamer zu gehen, als der Takt deines Ohrwurms vorgibt. Dann besteht die Chance, dass er verschwindet.

3. Mitsingen

 

Auch wenn es seltsam klingt: Mitsingen kann den Ohrwurm vertreiben. Das liegt möglicherweise daran, dass die zusätzliche Stimme das Lied so weit verändert, dass es aufhört, sich in Dauerschleife zu drehen. Vielleicht hilft aber auch die aktive Beschäftigung mit dem Lied. Unvollständige Erfahrungen bleiben nämlich besonders stark im Gehirn, weil sie wie unerledigte Aufgaben wirken. Singst du das Lied komplett mit, verschwindet es deshalb mit ein wenig Glück aus dem Ohr.

4. Kaugummi kauen

 

Zu einem interessanten Studienergebnis kamen Forscher der University of Reading. Sie stellten fest, dass Kaugummikauen gegen Ohrwürmer hilft. Scheinbar ist es hilfreich, die Sprechmuskeln zu aktivieren. Das geht einerseits natürlich mit einem Gespräch, andererseits aber auch mit dem Kauen. So einfach kann es manchmal sein.

5. durch einen anderen Ohrwurm ersetzen

 

Wenn der Ohrwurm schon nicht ganz verschwindet, dann sollte es doch wenigstens ein schönes Lied sein statt einem nervigen Werbejingle, oder? Handelt es sich um einen Song, den du magst, dann stört der Ohrwurm längst nicht mehr so. Im Gegenteil: Er kann sogar die Stimmung heben. Gut, dass geliebte Songs leichter im Ohr bleiben als verhasste. Du kannst deshalb versuchen, deinen aktuellen Ohrwurm durch einen anderen zu ersetzen, indem du einfach Musik hörst, die du magst.

6. locker nehmen

 

Je mehr du dich über einen Ohrwurm ärgerst, umso hartnäckiger ist er. Wenn gar nichts anderes hilft, solltest du deshalb wenigstens locker bleiben. Früher oder später verschwindet auch der lästigste Ohrwurm von selbst wieder.

Übrigens:
Musik im Kopf zu hören ist ganz normal und nicht schädlich. Viele Menschen haben sehr häufig einen Ohrwurm. Das kann zwar nervig und anstrengend sein, ist aber kein Grund zur Beunruhigung. Aufmerksam werden solltest du nur dann, wenn du dir sicher bist, die Musik nicht nur in deinem Kopf, sondern tatsächlich zu hören. Dann könnte es sich um eine akustische Halluzination handeln, deren Ursache untersucht werden sollte. Das ist jedoch ausgesprochen selten. Ein normaler Ohrwurm ist völlig harmlos, selbst wenn er sehr oft oder lange auftritt.