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Mobbing am Arbeitsplatz: Welche Verhaltensweisen ungünstig sind und wie man sich effektiv gegen Mobber wehrt

Mobbing am Arbeitsplatz ist eine ernste Sache und kann Betroffene in tiefe Krisen stürzen. Das muss nicht sein, denn Chefs sind gesetzlich zum Einschreiten verpflichtet. Über die verschiedenen Mobbing Arten, wie man Vorgesetzten die belastende Situation richtig erklärt und sich effektiv gegen Mobber zu Wehr setzt.

Was ist Mobbing? Cybermobbing, Bossing und andere Mobbing Arten

Neben dem direkten Mobbing am Arbeitsplatz wird seit einigen Jahren das so genannte Cybermobbing immer beliebter. Diese Mobbingvariante ist in der Regel eine Fortführung des Mobbings von Angesicht zu Angesicht, sie kann aber auch als einzige Form des Mobbings vorkommen. Beim Cybermobbing wird das Mobbingopfer zum Beispiel in Sozialen Netzwerken lächerlich gemacht oder auch bedroht.

Die Psychologin und Mobbingexpertin Nancy E. Willard konnte sieben verschiedene Varianten des Cybermobbing identifizieren:

    • Cyberstalking: Jemanden wiederholt belästigen oder bedrohen, auch sexuell
    • Cyberangriff: Die Ankündigung, jemanden zu verletzten oder ihm anderweitig Gewalt anzutun, bis hin zu Tötungsabsichten.
    • Beleidigungen: Tauchen überwiegend in öffentlich zugänglichen Bereichen des Internets auf. Häufig sind Pinwände von Social-Media-Profilen betroffen, es werden beleidigende oder verletzende Kommentare hinterlassen.
    • Öffentliches Bloßstellen: Hierbei täuscht der Täter eine private Kommunikation vor, um im Anschluss intime Details des Gesprächspartners öffentlich preiszugeben. Oft sind Ex-Partner von dieser Mobbingvariante betroffen.
    • Bewusstes Ausschließen: Es wird versucht, eine bestimmte Person aus einer Gruppe hinauszustoßen. Anzutreffen vor allem im Gaming-Bereich und in Facebook-Gruppen.
    • Fortwährende Belästigung: Wiederkehrende Attacken einer zunächst unbekannten Person. In seltenen Fällen ist die Person dem Opfer tatsächlich nicht bekannt und einfach ein klassisches Zufallsopfer geworden. Üblicherweise entpuppt sich der Täter jedoch nach einiger Zeit als Bekannter aus dem tatsächlichen, sozialen Umfeld des Opfers.
    • Identitätsdiebstahl: Ein Täter legt ein falsches Profil unter der Identität seines Opfers an, um damit Personen aus dem Umfeld des Opfers zu beschimpfen oder zu täuschen.

Eine besondere Variante des Mobbing am Arbeitsplatz ist das Bossing. Hierbei nutzt ein Chef oder ein anderer Vorgesetzter seine Machtposition aus, um andere Mitarbeiter gezielt zu schikanieren. Das eindeutige Machtgefälle zwischen den Beteiligten macht diese Form des Mobbing für das Opfer besonders schlimm und kann massive Existenzängste hervorrufen.

Ebenfalls aus der Arbeitswelt bekannt ist das so genannte versteckte oder verdeckte Mobbing. Die Ausgangssituation ist häufig, dass der Betroffene vom Chef besonders geschätzt wird – zum Missfallen der Kollegen. Denn die beginnen nun, hinter dem Rücken ihres Kollegen zu tuscheln oder auch bewusst Unwahrheiten über ihn in die Welt zusetzen, um seinen besonderen Status beim Chef ins Wanken zu bringen.

Wem im Job bewusst Informationen vorenthalten werden, die für die Erledigung der Aufgaben eigentlich nötig wären, ist ebenfalls ein Opfer verdeckten Mobbings. Wer sich von Kollegen oder Chefs gemobbt fühlt, sollte unbedingt handeln. Mobbing kann zu schweren Beeinträchtigungen des Selbstbildes und des Wohlbefindens führen und ist aus diesem Grund regelmäßig Ursache von Arbeitsunfähigkeiten.

5 Verhaltensweisen, die Mobbingopfer unbedingt vermeiden sollten

 

1. Sich von Gefühlen überwältigen lassen

Die meisten Mobbingopfer werden von ihren Gefühlen überwältigt, wenn es zu einer Mobbingsituation kommt. Oft entsteht dadurch eine Handlungsunfähigkeit, aus der es auszubrechen gilt. Eine wichtige Erkenntnis kann es darstellen sich bewusst zu machen, dass der Mobber sich in Wahrheit unterlegen fühlt und allein aus diesem Grund seine Attacken abfeuert.

2. Sich selbst die Schuld geben

Wer von Kollegen schikaniert wird hat oft die Tendenz, die Schuld dafür bei sich zu suchen. Die meisten Menschen werden aber nicht aufgrund ihres Unvermögens zum Opfer, sondern weil sie etwas besonders gut oder zumindest besser als andere machen. Neid spielt auf der Seite der Täter fast immer eine Rolle.

3. Sympathiebekundungen gegenüber dem Täter

Viele Menschen glauben, dass sie fortwährenden Schikanierungen am besten begegnen, wenn sie anfangen den oder die Täter zu umschmeicheln. Wer jedoch andere systematisch fertigmacht, sucht keine Freundschaft. Unangebrachte Freundlichkeit signalisiert dem Täter nur, dass sein Verhalten ohne Folgen bleibt.

4. Auf plötzliche Nettigkeiten anspringen

Auch der Mobber kann bisweilen ein freundliches Gesicht gegenüber seinem Opfer zeigen. Darauf sollte man auf keinen Fall hereinfallen! In Wahrheit geht es dem Täter darum, sein Opfer zu verunsichern. An der erzeugten Unsicherheit erfreut er sich.

5. Mit dem Mobber diskutieren wollen

Häufig sind gerade solche Menschen von Mobbing betroffen, die in schwierigen Situationen immer einen Dialog suchen wollen. Doch dem Mobber geht es nicht darum, durch ein vernünftiges Gespräch mit seinem Opfer ins Reine zu kommen. Es bringt darum meist wenig, Unstimmigkeiten mit ihm allein klären zu wollen.

3 Schritte, um Mobbing am Arbeitsplatz tatsächlich zu beenden

 

1. Tagebuch führen

Viele Coaches und Therapeuten raten dazu, ein Tagebuch über die Mobbingattacken zu führen. Durch die Dokumentation wird es leichter, die Angriffe tatsächlich nachzuweisen. Das ist vor allem relevant, wenn durch den Mobber eines Tages eine Kündigung seines Opfers erreicht werden sollte. Die Aufzeichnungen können helfen, die Kündigung vor Gericht als ungerechtfertigt gelten zu lassen. In solchen Fällen kann ein Anwalt eine Entschädigung aushandeln.

2. Mit dem Chef sprechen

Vorgesetzte sind gesetzlich verpflichtet, sich im Fall von Mobbing für ihre Mitarbeiter stark zu machen. So sieht es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor. Wer also das Gespräch mit dem Vorgesetzten sucht, sollte zumindest rein rechtlich gesehen nicht auf taube Ohren stoßen. Unstimmigkeiten im Team dürfen niemals zu Mobbing führen!

3. Ich-Botschaften verwenden

Für ein Gespräch mit dem Vorgesetzten kann es ebenfalls hilfreich sein, wenn die Angriffe zuvor in einem Tagebuch festgehalten wurden. In dem Gespräch selber empfiehlt es sich, möglichst nicht von Mobbing zu sprechen, sondern tatsächliche Probleme und Vorfälle zu benennen. Am besten funktioniert das mit Hilfe von Ich-Botschaften: „Ich fühle mich übergangen, wenn…“ oder auch „Es belastet mich, dass…“

Falls diese Schritte nicht möglich sind oder es dadurch zu keiner Besserung der Situation kommt, müssen andere Wege gegangen werden. Auf keinen Fall empfiehlt es sich, die Sache „aussitzen“ zu wollen, vor allem, wenn das Mobbing am Arbeitsplatz sich bereits in psychischen oder körperlichen Beschwerden zeigt. Wenn man das Gefühl hat, in der Situation am Arbeitsplatz vollkommen gefangen zu sein, kann ein Coach oder Therapeut neue Perspektiven aufzeigen.