Midlife Crisis - Definition und Wege aus der Krise

Halbzeit im Leben: Midlife Crisis – Ursachen, Symptome und wie man Wege aus der Krise findet

Was ist nur mit meinem Partner los? Wenn jemand in der Midlife Crisis steckt, bemerkt das häufig als erstes das Umfeld. Die Betroffenen selbst fühlen sich oft unverstanden und spüren gleichzeitig den starken Wunsch nach Veränderung in sich. Was die Midlife Crisis mit der Pubertät gemeinsam hat, wie man sie feststellt und was man gegen die Krise unternehmen kann, um gestärkt durch diesen Lebensabschnitt zu kommen:

Definition: Die Midlife Crisis ist wie eine zweite Pubertät

Irgendwann im Alter zwischen 40 und 55 erwischt es jeden auf die eine oder andere Weise. Wir sind nun buchstäblich in der Mitte unseres Lebens angelangt und haben entscheidende Weichen für unser Dasein auf Erden gestellt. Wir blicken zurück auf das, was wir bis hierhin erreicht haben und schauen auf das, was jetzt noch kommen mag. Viele Menschen sind in diesem Lebensalter überfordert mit sich, ihrem derzeitigen Leben und vor allem mit ihren Gefühlen und Gedanken: Habe ich alles richtig gemacht? Wie würde mein Leben heute aussehen, wenn ich dieses oder jenes damals anders entschieden hätte?

Wichtig: die Midlife Crisis ist keine Krankheit. Sie ist eine ganz normale Lebenpshase, die jeder Mensch, mal mehr, mal weniger intensiv, durchläuft. Obwohl auch viele Frauen im mittleren Alter von einer Lebenskrise betroffen sind, hat sich umgangssprachlich der Begriff Wechseljahre der Männer eingebürgert. Seit einigen Jahren wird entsprechend auch immer häufiger der Begriff Andropause, als analoge Bezeichnung für die weibliche Menopause, verwendet.

Wie in der Pubertät findet in der Mitte des Lebens bei beiden Geschlechtern ein massiver Umbau im Hormonhaushalt statt. Die Midlife Crisis wird darum auch als zweite Pubertät bezeichnet.

Erste Anzeichen einer Midlife Crisis

Mit ihren Symptomen markiert die Midlife Crisis einen Übergang von einem Lebensalter in das nächste. Bei den Betroffenen können augenscheinlich positive Merkmale dieser Krise überwiegen: Es besteht Tatendrang und der Wunsch, neue Erfahrungen zu machen. Dadurch kann es aber auch zu Konflikten mit der Familie und dem Umfeld kommen, welches in den seltensten Fällen Verständnis für mögliche Eskapaden und Selbstfindungstrips zeigt.

In diesen Fällen wird die Midlife Crisis auch am ehesten vom Umfeld wahrgenommen und weniger von den Betroffenen selbst. Zeigt sich die Krise eher in negativen Empfindungen, Ängsten und Sorgen um die Zukunft oder einem andauernden Grübeln über die Vergangenheit, so sind es meist die Betroffenen selbst, die feststellen: Etwas stimmt nicht mit mir.

Auswirkungen einer Midlife Crisis

Die Midlife Crisis wird von einem komplexen Zusammenspiel körperlicher und seelischer Faktoren ausgelöst. Man geht davon aus, dass zuerst hormonelle Veränderungen vorliegen, die dann Veränderungen im Denken und Handeln auslösen, welche wiederum als eigentlich Krise wahrgenommen werden.

Früher dachte man, dass nur Frauen in der Mitte ihres Lebens von negativen Begleiterscheinungen durch hormonelle Einbrüche betroffen wären und Männer verschont blieben. Inzwischen weiß man: Das stimmt so nicht. Experten des Netzwerk Altersforschung der Universität Heidelberg haben herausgefunden, dass sich auch bei Männern der Hormonspiegel (v.a. Testosteron) mit zunehmendem Alter reduziert – zwar nicht so abrupt wie der von Frauen, dafür aber stetig ab etwa dem 30. Lebensjahr mit bis zu einem Prozent pro Jahr.

Midlife Crisis bedeutet Halbzeit: In dieser Lebensphase steht der Mensch am Mittelpunkt seines Lebens. Gleichzeitig kann er nun realisieren, dass es jetzt für manche Dinge zu spät ist:

  • Habe ich mich für den richtigen Beruf entschieden?
  • Ist der Partner, mit dem ich vielleicht seit vielen Jahren schon zusammen lebe, tatsächlich der richtige für mich?
  • Habe ich bis hierhin wirklich mein eigenes Leben gelebt, oder in Wahrheit das meiner Eltern / meines Partners?
  • Kann alles beim Alten bleiben, oder ist jetzt der Zeitpunkt, um noch einmal alles anders zu machen?

Das Grübeln über vergangene Zeiten und das Zweifeln am eigenen Lebensweg sind sicher die deutlichsten Zeichen für das Durchleben einer Midlife Crisis. Viele schwelgen in dieser Zeit in Erinnerungen an die Jugend. Sie vergleichen, häufig unbewusst, ihr heutiges, gesetzteres Leben mit dem, wie es früher einmal war. Sie hören Musik von damals und schwelgen beim Betrachten von alten Fotos in (häufig romantisierten) Erinnerungen. Was man doch alles hätte werden und erreichen können! Es kann eine bittere Erkenntnis sein zu begreifen, dass einem für manche Dinge vielleicht auch ein wenig der Mut gefehlt hat, um sie in die Tat umzusetzen.

Auch auf körperlicher Ebene zeigt sich die Midlife Crisis: Wer bisher keinen oder nur sehr wenig Sport gemacht hat, sich ungesund ernährt oder bis dato viel geraucht hat, bekommt die Auswirkungen nun zu spüren. Der Körper verändert sich in der Mitte des Lebens. Er „steckt weniger weg“ und ist nicht mehr so belastbar, wie noch vor einigen Jahren. Mögliche Anzeichen sind:

  • Schnellere Erschöpfung bei sportlicher Betätigung
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Erkrankungen wie Diabetes, chronischer Rückenschmerz

Das Alter zwischen 40 und 55 ist auch eine Zeit, in der viele Menschen häufig in besonderer Weise von ihrem Umfeld beansprucht werden und viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen. Es ist die Zeit, in der die eigenen Eltern krank oder pflegebedürftig werden, während zuhause die Kinder noch mitten in der Pubertät stecken. Die eigene Karriere befindet sich in dieser Zeit auf dem Höhepunkt, was nicht selten ein hohes Arbeitspensum mit sich bringt. Diese Faktoren können das Auftreten von Burnout Burnout oder Depressionen begünstigen.

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Wege aus der Midlife Crisis

Es gibt kein Mittel, mit dem sich einer Midlife Crisis im Vorfeld effektiv vorbeugen ließe. Wer allerdings darauf gefasst ist, den trifft sie häufig weniger hart als andere. Viele Menschen leiden vor allem unter Symptomen, die einer Depression ähnlich sind. Diesen kann man teilweise durch einen gesünderen Lebensstil entgegen wirken. Dazu gehört:

  • Regelmäßiger Sport
  • Ausgewogene Ernährungsweise
  • Ausgeglichene Work-Life-Balance
  • Pflegen sozialer Kontakte

Je nach schwere der Auswirkungen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie noch mit einer Midlife Crisis umgegangen werden kann. Manchen Betroffenen ist geholfen, wenn sie sich regelmäßig mit einem Freund über ihre Gefühle, Gedanken und unerfüllten Sehnsüchte austauschen können. Anderen helfen das Erlernen neuer Fähigkeiten oder eine berufliche Veränderung.

Viele Menschen fürchten sich jedoch insbesondere vor größeren und grundlegenden Veränderungen. Sie wissen zwar insgeheim, dass sie etwas in ihrem Leben verändern müssten um wirklich glücklich zu werden, trauen sich aber aus verschiedenen Gründen nicht, auch entsprechend aktiv zu werden. Die längerfristige Begleitung und vertrauensvolle Beziehung zu einem Coach oder Therapeuten bietet die Chance, auftauchenden Zweifeln konstruktiv zu begegnen und einen einmal eingeschlagenen Weg der Veränderung konsequent weiterzuverfolgen.

Letztlich ist die Midlife Crisis eine Phase, die irgendwann vorübergeht. Und für alle Betroffenen gibt es darum auch Hoffnung: Die Schweizer Psychologin Prof. Alexandra M. Freund hat in einer Studie mit Senioren herausgefunden, dass ältere Menschen die Phase zwischen ihrem 40. und 55. Lebensjahr rückblickend als die eigentlich schönste Zeit in ihrem Leben bewerten. Wer heutzutage Mitte 40 oder Mitte 50 ist, hat meist noch viele gute Jahre vor sich. Tatsächlich kann es für manche Dinge, wie eigene Kinder, nun zu spät sein. Midlife Crisis, das bedeutet eben häufig im letzten Schluss auch vertane Chancen zu betrauern und Abschied von unerfüllten Wünschen zu nehmen.