Richtiges Lob für Kinder

Lob für Kinder ist wichtig – aber in Maßen

Noch vor wenigen Generationen war Lob für Kinder nicht besonders weit verbreitet. Lange glaubte man, zu viel Zuwendung könne Kinder verweichlichen und dem Charakter sogar schaden. Stattdessen erzog man mit harter Hand und vielen Strafen. Heute hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass Lob für Kinder in ihrer Entwicklung sehr wichtig ist. Allerdings wird auch immer klarer: Zu viel oder falsches Lob für Kinder schadet mehr, als es nützt…

Warum ist Lob für Kinder wichtig?

Wir Menschen sind soziale Wesen, wir brauchen Anerkennung von anderen Menschen. Das gilt für Kinder ganz besonders. Aufrichtiges Lob für Kinder kann ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein stärken. Kinder, die keine Anerkennung und kein positives Feedback bekommen, sind oft ängstlicher und unglücklicher. Außerdem bietet Lob Orientierung: Welches Verhalten ist erwünscht? Und: Was kann ich besonders gut? Schließlich ist Lob für Kinder eine gute Motivation, um sich anzustrengen.

Aber: Kann Lob auch schaden?

Allerdings gibt es immer mehr Pädagogen, die dem Lob für Kinder kritisch gegenüberstehen. Das sind die zentralen Kritikpunkte:

  • Lob für Kinder ist immer auch Bewertung. Du teilst damit die Handlungen deines Kindes in „gut“ und „nicht so gut“ ein. Das ist in gewissen Grenzen notwendig, schadet im Übermaß aber.
  • Lob kann Kinder abhängig von der Meinung anderer machen. Wenn Eltern sie für jede Kleinigkeit überschwänglich loben, erwarten sie das früher oder später. Bleibt dann das Lob einmal aus, kommen sie damit nicht gut zurecht oder fühlen sich abgelehnt.
  • Kinder spielen, lernen und bewegen sich sehr häufig aus eigenem Antrieb heraus, aus ihrem persönlichen Interesse. Diese so genannte „intrinsische Motivation“ ist enorm wichtig, bis ins Erwachsenenleben hinein. Ein Kind, das sich gerade mit Hingabe seinen Sandförmchen, einem Buch oder dem Klettergerüst widmet, sollte nicht unterbrochen werden, auch nicht mit einem Lob.
  • Zu viel Lob für Kinder kann auch das Leistungsdenken fördern. Schließlich wenden wir uns dem Kind vor allem dann positiv zu, wenn es etwas Besonderes geschafft hat. Das Kind bekommt dann den Eindruck: Ich muss etwas Tolles leisten, um geliebt zu werden.
  • Lob nutzt sich ab: Wenn du für jeden Schritt und jeden Handgriff Lobeshymnen anstimmst, geht das wichtige, ernst gemeinte Lob für Kinder unter.
  • Verschiedene Studien haben ergeben, dass personenbezogene Komplimente sogar schaden können. Lob, das das Verhalten hervorhebt, motiviert dagegen. Der Grund: Wenn du Intelligenz, Aussehen oder Talente lobst, sind das (vermeintlich) feststehende Eigenschaften. Dein Kind freut sich wahrscheinlich über dein Kompliment, aber es leitet daraus keine Handlungsmöglichkeiten ab. Im Gegenteil: Es fühlt sich vielleicht sogar unter Druck gesetzt und scheut Herausforderungen, die das von dir gelobte Bild ins Wanken bringen könnten.
  • Lob bedeutet ein Stück weit auch, dass du dein Kind manipulierst. Als Erwachsene ärgern wir uns berechtigterweise über unehrliches, manipulierendes Lob. Warum sollte es dann Kindern gegenüber in Ordnung sein? Deshalb solltest du mit Lob in der Erziehung eher sparsam umgehen.

Kinder richtig loben – so geht’s:

Beim Lob für Kinder solltest du dich vor allem fragen: Ist es aufrichtig? Bist du von dem, was du gerade lobst, wirklich begeistert oder nutzt du das Loben nur als Erziehungsmittel? Schon kleine Kinder spüren, wenn ein Lob nicht ernst gemeint ist, und sind dann verunsichert.

Lobe keine selbstverständlichen Dinge: Ein Kind, das gerade den Umgang mit der Schere lernt, verdient Anerkennung für seine Fortschritte. Wird ein Schulkind dagegen für jeden Schnipsel gelobt, ist das fehl am Platz.

Versuche außerdem, nicht die Eigenschaften des Kindes zu loben, sondern sein Verhalten. Ein paar Beispiele:

  • „Da hast du dir wirklich Mühe gegeben!“ ist besser als „Du bist ja ein richtiger Künstler!“
  • „Toll, wie weit du gesprungen bist!“ ist besser als „Du bist wirklich sportlich!“
  • „Du hast dir ja ein schönes Kleid angezogen!“ ist besser als „Du bist so ein hübsches Mädchen!“
  • „Super, wie viel Ausdauer du zeigst!“ ist besser als „Du bist ja richtig clever!“

Werde konkret und formuliere genau, was du loben willst. „Gut gemacht!“ oder „Super!“ bringen Kinder nicht viel weiter. Sage stattdessen klar, was dir gefällt: „Die Sonne auf deinem Bild sieht richtig fröhlich aus!“

Alternative zum Lob für Kinder: Interesse zeigen!

Wenn dein Kind auf dem Spielplatz „Schau mal!“ ruft oder dir ein selbst gemaltes Bild zeigt, will es nicht unbedingt Lob von dir. Ein reflexartiges „Toll!“ oder „Gut gemacht!“ ist nicht mehr als eine leere Worthülse. Viel wichtiger für Kinder sind Aufmerksamkeit und echtes Interesse. Auf dem Spielplatz könntest du also sagen: „Du bist ja auf dem Klettergerüst! Ich sehe, du bist bis ganz oben gekommen!“ Zu dem Kunstwerk könntest du Fragen stellen: „Was hast du da gemalt?“ Oder du kommentierst, was du siehst: „Das Bild ist ja kunterbunt, da hast du sicher alle deine Lieblingsfarben verwendet!“ Auf diese Weise würdigst du das Kind und sein Verhalten, ohne es zu bewerten. Das ist häufig viel wertvoller als reines Lob für Kinder.

Und: Dein Kind spürt, wenn du dich ehrlich freust und begeistert oder stolz bist. Dann ist ein „Prima gemacht!“ völlig überflüssig.