Kuscheln tut gut

Kuscheln für alle! Warum uns Berührung so gut tut:

Schon von Geburt an brauchen Menschen Körperkontakt, um zu überleben. Säuglinge fühlen sich auf dem Arm oder an der Brust am wohlsten. Hier sind sie geborgen und sicher, werden gehalten, geschützt und versorgt. Auch größere Kinder brauchen körperliche Zuwendung, wenn sie unsicher und ängstlich sind, Trost brauchen oder einfach die Nähe vertrauter Personen suchen. Das Grundbedürfnis nach Kuscheln, Umarmen und anderen Zärtlichkeiten ist jedoch nicht nur für Kinder wichtig: Es bleibt unser Leben lang erhalten. Berührung stärkt das Immunsystem, reduziert Stress und macht einfach glücklich. Wir erklären dir, warum wir uns beim Kuscheln so wohlfühlen und welche Möglichkeiten es gibt, zu mehr Zärtlichkeit zu finden.

Wieso wir alle Berührung und Nähe brauchen:

Unsere Haut verfügt über unzählige Sinneszellen, die schon auf kleinste Berührungen reagieren. Manche von ihnen springen vor allem bei langsamen, sanften Berührungen an, also auf das Kuscheln. Beim Knuddeln, Kraulen, Streicheln und Küssen (abseits von Sex) reagieren der ganze Körper und natürlich die Psyche auf die Zuwendung:

  • Stresshormone wie Cortisol werden abgebaut und das Entspannungshormon Prolaktin ausgeschüttet. Kuscheln reduziert dadurch Stress und hilft beim Entspannen.
  • Das Hormon Oxytocin, welches häufig als Bindungshormon oder auch Kuschelhormon bezeichnet wird und beim Kuscheln ausgeschüttet wird, sorgt für Entspannung, lässt Ängste und Sorgen schwinden und hilft uns, optimistischer in die Welt zu schauen. Kuscheln verpasst uns also eine rosarote Brille, es lässt uns risikofreudiger, glücklicher und selbstsicherer werden.
  • Bei kleinen Kindern sorgt Körperkontakt für gesundes Wachstum: Bekommen Babys keine körperliche Zuneigung, bleiben sie in der Entwicklung deutlich zurück.
  • Hautkontakt regt das Immunsystem an und verbessert damit unseren Schutz gegen Infektionen und andere Krankheiten.
  • Berührungen transportieren Informationen über unser Gegenüber. Wie geht es ihm? Wie stehen wir zueinander? Auf diese Weise kannst du durch Kuscheln und Zärtlichkeiten deine Beziehungen intensivieren.
  • Zärtlichkeiten scheinen sogar im Zusammenhang mit Erfolgen zu stehen: Forscher haben herausgefunden, dass sich Sportler in erfolgreichen Teams häufiger berühren als in weniger erfolgreichen.

Kommt Kuscheln zu kurz?

Sex ist in den Medien allgegenwärtig. Aber wie sieht es mit dem Kuscheln aus? Absichtslose Berührung, die nicht auf Sex hinauslaufen soll, hat häufig wenig Platz in der Gesellschaft. Körperliche Zuwendung ist für viele Erwachsene nicht selbstverständlich. Wer keinen Partner hat, mit dem es sich gut knuddeln lässt, hat meist wenig Alternativen, jedenfalls in unserer Kultur. 

Besonders arm dran sind die Männer: Frauen nehmen sich viel häufiger in den Arm, streichen sich kurz über die Schulter oder lehnen sich zum Trösten aneinander. Männer halten eher Abstand zueinander. Zu groß ist die Sorge, man könnte unmännlich oder verweichlicht wirken. Schade eigentlich!

Wie viel Körperkontakt als normal gilt, ist übrigens von Kultur zu Kultur sehr unterschiedlich: Wie groß ist der Wohlfühlabstand? Gibt man sich zur Begrüßung die Hand, umarmt und küsst man sich oder vermeidet man ganz den Körperkontakt? Wie viel Berührung ist unter Fremden, unter Geschäftspartnern oder unter Freunden akzeptiert? All das ist kulturell bedingt. Von dieser Prägung hängt auch ab, welche Berührungen wir als angenehm oder unangenehm empfinden.

Kuschelpartys, Free Hugs und Co: Ideen für mehr Körperkontakt

Du bekommst eindeutig zu wenige Streicheleinheiten? Dann probiere es mal mit diesen Tipps:

  • Äußere deinem Partner gegenüber dein Bedürfnis nach Zärtlichkeit, abseits von Sex. Sich beim Fernsehen aneinanderzukuscheln, sich beim Abschied zu umarmen oder mal wieder Hand in Hand zu gehen, kann einen großen Unterschied machen.
  • Traue dich, Freunde oder Angehörige um Berührung zu bitten. „Darf ich dich mal in den Arm nehmen?“ Darauf werden viele positiv reagieren.
  • Nicht nur das Kuscheln mit Menschen tut uns gut, auch beim Knuddeln mit Hunden, Katzen und anderen Tieren werden die Wohlfühlhormone freigesetzt. Wenn du selbst kein Tier hast, frage doch mal im Tierheim nach, ob du dort helfen kannst.
  • Auch du selbst kannst für Zärtlichkeit sorgen: zum Beispiel beim Eincremen oder bei einer Selbstmassage.
  • Apropos Massage: Auch sie tut gut und stellt einen Ersatz zum Kuscheln dar. Gönne dir doch mal wieder eine Wellness-Massage!
  • Ganz Mutige stellen sich an einen öffentlichen Platz und bieten auf einem Schild „Free Hugs“, also „kostenlose Umarmungen“, an. Die Free Hugs Campaign ist eine Bewegung, die immer mehr Menschen begeistert.

Das genügt alles nicht und in deinem Umfeld findest du einfach keine geeigneten Kuschelpartner? Dann schau dich doch mal nach Kuschelpartys in deiner Nähe um! Das klingt zunächst mal sehr seltsam, diesen Trend gibt es aber bereits seit den 90er Jahren und er breitet sich immer weiter aus. Bei einer Kuschelparty treffen sich fremde Menschen, um miteinander zu kuscheln, ganz ohne sexuelle Absichten. Am Anfang der Party stehen Übungen zur gegenseitigen Annäherung, um die körperliche Distanz abzubauen. Moderatoren leiten an und sorgen für die Einhaltung der Regeln, um eine liebevolle und sichere Atmosphäre zu ermöglichen. Viele Teilnehmer berichten von wohliger Geborgenheit und großen Glücksgefühlen, obwohl sie die Menschen, mit denen sie knuddeln, gar nicht kannten. Vielleicht ist das ja auch etwas für dich?