Kritik am Partner

Wie Du Kritik am Partner äußern kannst und selbst besser damit umgehen lernst

Wenn wir noch frisch verliebt sind, sehen wir meist ausschließlich die guten Seiten an unserem Partner. Erst wenn der Alltag in die Beziehung Einzug erhält, fallen uns Angewohnheiten am anderen auf, mit denen wir nicht einverstanden sind. In diesem Beitrag erfährst du, wie man Probleme in der Partnerschaft konstruktiv kommuniziert und gleichzeitig die eigene Kritikfähigkeit trainieren kann..

Beziehungen sind immer dann besonders stabil und erfüllend, wenn wir zu einer guten Kommunikation mit unserem Partner fähig sind. Nur wenn ihm bekannt ist, welches unsere tatsächlichen Bedürfnisse sind, ist er auch in der Lage, darauf einzugehen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ein Partner dazu da ist, uns jegliche Wünsche zu erfüllen. Sprechen wir allerdings gar nicht darüber, riskieren wir langfristig eine unbefriedigende Beziehung zu führen.

Worum es wirklich geht: Gefühle statt Vorwürfe formulieren

Jeder stellt in einer Beziehung Erwartungen an seinen Partner doch nicht immer werden diese offen kommuniziert. Leider entstehen die meisten Konflikte aus eben jenem Grund: Man spricht nicht genügend miteinander oder geht stillschweigend davon aus, dass der andere doch wissen müsste, was man selbst braucht.

Die Wahrheit aber ist: Kein Mensch kann hellsehen und wenn es unausgesprochene Wünsche in der Partnerschaft gibt, wird das zu Konflikten führen. Darum sollten wir unserem Partner mitteilen, wenn uns etwas auf der Seele liegt. Das gelingt am besten, wenn Kritik niemals als Vorwurf formuliert wird und Pauschalisierungen möglichst unterbleiben. „Du kommst immer zu spät“ oder „Nie hast du Zeit für mich“ wären Beispiele für Pauschalisierungen, die ein wertschätzendes, konstruktives Gespräch oft schon im Keim ersticken können. Betrachten wir solche negativen Sätze einmal nüchtern müssen wir außerdem zugeben, dass sie nicht der Realität entsprechen. Wer wäre noch mit einem Partner zusammen, der tatsächlich niemals Zeit hat? Trotzdem kann in einer Beziehung der Wunsch auftauchen, mehr Zeit mit dem Partner verbringen zu wollen. Das Bedürfnis nach Nähe ist bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt und es ist gut, wenn Partner darüber sprechen und zu einem Kompromiss finden, mit dem beide zufrieden sind.

Eine bewährte Methode dieses Ziel zu erreichen, ist die so genannte Gewaltfreie Kommunikation (GfK). Dieses Konzept wurde in den frühen 1960er Jahren von dem Psychologen Marshall B. Rosenberg erfunden und hat seitdem zahlreiche Anhänger auf der ganzen Welt gefunden. Das tolle daran ist: Niemand muss ein Psychologiestudium absolvieren, um die Prinzipien der GfK erfolgreich in seinem Alltag anwenden zu können. Wer das zu Grunde liegende Prinzip einmal verstanden hat wird in die Lage versetzt nicht nur zielführender, sondern auch wertschätzender mit anderen zu kommunizieren.

Gewaltfreie Kommunikation: So funktioniert sie

Die Kernbotschaft der GfK ist der Verzicht auf Gewalt. Gewalt üben wir übrigens auch gegen uns selbst aus, wenn wir Bedürfnisse immer nur unterdrücken, statt sie zu kommunizieren. Der erste Schritt ist also, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ernst zu nehmen. Um sich diese besser zu vergegenwärtigen kann es hilfreich sein, sie auch einmal aufzuschreiben. Passende Fragen dazu können lauten: Was wünsche ich mir von einem Partner? Was kann er oder sie dazu tun, damit ich mich geborgen und sicher fühle in unserer Beziehung?

Das Mitfühlen mit sich (und in einem weiteren Schritt auch mit anderen) ist nach Rosenberg die Grundvoraussetzung für einen wertschätzenden Austausch. Leider haben die meisten von uns in ihrer Kindheit eine ganz andere Art der Kommunikation kennengelernt, die von versteckter Aggressivität geprägt ist. Es ist darum wahrscheinlich, dass wir in unserem Leben Menschen begegnen, die auf eine nicht konstruktive, verletzende Art mit uns sprechen. Den meisten ist das nicht einmal bewusst, fast niemand kommuniziert absichtlich verletzend.

Viele Menschen haben leider im Laufe ihres Lebens gelernt, andere für ihre Gefühle verantwortlich zu machen. So kommt es zu Aussagen wie „Nie hast du Zeit für mich, immer sind dir andere wichtiger“. Würden wir stattdessen nach den Regeln der GfK kommunizieren, könnte solch ein Satz hingegen lauten: „Ich verstehe, dass du Zeit mit deinen Freunden brauchst, trotzdem würde ich gerne mehr Zeit mit dir verbringen, weil mir die Nähe zu dir wichtig ist“.

In dieser Variante fühlt sich der andere in seinem Bedürfnis, Zeit mit seinen Freunden zu verbringen, gesehen. Indem aber auch das eigene Bedürfnis, nämlich dem nach mehr Nähe, benannt wird, ist dem Konflikt die Schärfe des Vorwurfs genommen. Auf diese Weise ist eine gute Basis dafür gefunden, den Konflikt für beide Seiten zufriedenstellend aus der Welt zu schaffen. Dadurch, dass wir Verständnis für die Bedürfnisse des Partners aufbringen konnten, erhöhen wir zudem die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Partner umgekehrt Verständnis zeigen wird und eher bereit sein wird, uns entgegenzukommen.

Es kann eine Zeit dauern, die Prinzipien der GfK in einer Partnerschaft zu etablieren. Es muss auch nicht das Ziel sein, nur noch in dieser Weise miteinander zu kommunizieren. Ärger und Wut aushalten zu können, gehört im Leben schließlich genauso dazu. Wenn aber Themen auf den Tisch kommen, die ein erhöhtes Konfliktpotenzial bieten, kann es sehr hilfreich sein, nach dem Modell der GfK zu kommunizieren.

Leseempfehlung

Falls du nach dem Lesen dieses Blogbeitrags nun Lust hast, dich intensiver mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg zu beschäftigen, möchten wir dir für den Einstieg gerne den ausführlichen Beitrag Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Herzens von Deutschlandfunk Kultur empfehlen. Falls du noch tiefer einsteigen möchtest, ist das Buch „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“ von Marshall B. Rosenberg das richtige für dich.