Essen als Trost

Essen als Trost? So kommst du dagegen an

Für die meisten Menschen ist Essen weit mehr als Nahrungsaufnahme. Essen bedeutet Genuss, aber auch Trost und Aufmunterung. Hin und wieder ist das kein Problem. Wenn du aber dauerhaft zu viel (oder das Falsche) isst, um dir selbst Trost zu spenden, schadest du dir. Woher kommt das emotionale Essen eigentlich? Und wie wirst du diese Gewohnheit wieder los?

Warum Essen glücklich macht:

Essen macht nicht nur satt, sondern sorgt auch für die Produktion verschiedener Glückshormone. Das gilt vor allem für besonders fette und süße Nahrung. Ein Grund dafür liegt in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte: Es war von großem Vorteil, wenn die Urmenschen sich nach einer gehaltvollen Mahlzeit besonders gut fühlten. Das erhöhte nämlich ihre Motivation, nach kalorien- und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln Ausschau zu halten, die für das Überleben und die Gesundheit wichtig waren.

Doch ganz so weit müssen wir gar nicht zurückschauen: Auch heute noch fühlen Babys sich unwohl, wenn sie hungrig sind. Mit vollem Magen sind sie dagegen zufrieden und fühlen sich wohlig und geborgen. Auch das ist eine Überlebensstrategie, um genügend Nahrung zu bekommen: Wenn das Baby Unwohlsein empfindet, macht es sich mit Schreien und Weinen bemerkbar, damit es möglichst bald wieder mit der lebensnotwendigen Nahrung versorgt wird. Dass das Kind nach dem Essen zufrieden ist, belohnt auch die sorgenden Eltern: Das Kind zu füttern, zahlt sich direkt aus.

Dass Essen glücklich macht, ist also durchaus sinnvoll. Problematisch wird es, wenn Trostessen zur Gewohnheit wird.

So entsteht die Gewohnheit des emotionalen Essens:

Wie du schon gesehen hast, machen wir alle schon in frühester Kindheit die Erfahrung, dass Essen gut tut. Im Lauf der Zeit sollten wir jedoch andere Möglichkeiten finden, uns zu beruhigen, zu trösten und glücklich zu machen. Idealerweise lernen wir diese Möglichkeiten schon in der Kindheit.

Viele Eltern verstärken jedoch unbewusst die Bindung von Emotionen und Essen: Sie geben dem Kind Schokolade als Trost, wenn es sich wehgetan hat, und stellen es mit Keksen oder Laugengebäck ruhig, wenn es in der Öffentlichkeit quengelt. Selbst beim Kinderarzt bekommen die Kleinen oft ein Gummibärchen nach der Impfung oder Untersuchung. Auf Dauer festigt sich so die Strategie: „Wenn es mir nicht gut geht, hilft Essen.“

Auch unter Erwachsenen ist der Rat, etwas zu essen, weit verbreitet: Wir empfehlen gestressten Kollegen, sich doch „mal etwas Leckeres zu gönnen“. Und wir verschenken Schokolade und Pralinen, wenn wir uns bedanken oder einem Kranken Trost spenden wollen.

Unbemerkt stellt sich so eine Gewohnheit ein, Emotionen mit Essen zu begegnen. Und bei manchen Menschen gerät diese außer Kontrolle.

Die Folgen von Frustessen:

Natürlich ist es kein Problem, hin und wieder zu Kuchen und Pommes zu greifen, wenn es dir schlecht geht. Es darf nur nicht die einzige Strategie sein. Wer Essen dauerhaft als Trost oder Belohnung benutzt, entwickelt Übergewicht, mit all seinen negativen Folgen für die Gesundheit.

Zudem kann emotionales Essen bei der Entstehung von Essstörungen eine Rolle spielen. Beim sogenannten Binge Eating Syndrom beispielsweise fallen die Betroffenen immer wieder in richtige Essattacken, in denen sie völlig die Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme verlieren. Auch bei Bulimie ist das Essen vom eigentlichen Hunger abgekoppelt. Solltest du die Befürchtung haben, selbst an einer Essstörung zu leiden, hole dir bitte so bald wie möglich Hilfe. Wir beraten dich gerne.

10 Tipps gegen das Essen als Trost und aus Frust:

  1. Schau dir genauer an, was hinter deinem Essverhalten steckt. Isst du zur Ablenkung, bei Einsamkeit, Traurigkeit, Langeweile oder Angst? Wenn du weißt, welches Bedürfnis du mit Essen befriedigst, fällt es dir leichter, ursächlich dagegen anzugehen.
  2. Suche dir alternative Strategien, um dich zu belohnen oder zu trösten. Gönne dir einen Spaziergang, ein gemütliches Lesestündchen auf dem Sofa, eine Massage oder ein heißes Schaumbad, statt etwas zu essen.
  3. Gewöhne dich an Essensroutinen: Iss dich zu den regulären Mahlzeiten satt und iss dazwischen möglichst nichts.
  4. Wenn du schon emotional isst, dann versuche, gesündere Alternativen zu finden: Statt zu naschen hilft vielleicht auch ein besonders schöner Apfel oder eine Handvoll deiner Lieblingsbeeren. Auch eine heiße Tasse Tee oder ein Teller Gemüsesuppe können Seelennahrung sein, ohne zu viele Kalorien im Gepäck zu haben.
  5. Baue Stress ab, zum Beispiel durch Entspannungstechniken und das Abgeben von Aufgaben. Je weniger gestresst du bist, umso besser kannst du dein Essverhalten im Blick behalten.
  6. Wenn du bei Frust zu bestimmten Lebensmitteln greifst, zum Beispiel zu Schokolade oder Keksen, dann versuche, diese Dinge gar nicht erst im Haus zu haben. Gönne sie dir aber hin und wieder bewusst, wenn es dir gut geht.
  7. Sorge gut für dich und deine Bedürfnisse. Ernähre dich möglichst gesund, schlafe ausreichend, sorge für ein gutes Gleichgewicht zwischen Anregung und Ruhepausen, bewege dich regelmäßig und halte guten Kontakt zu Freunden und Familie. Je besser es dir geht, umso weniger ist emotionales Essen nötig.
  8. Konzentriere dich bei deinen Mahlzeiten komplett auf das Essen. Lerne, Essen wieder richtig zu genießen, statt es mit schlechtem Gewissen in dich hineinzustopfen.
  9. Beobachte dein Hungergefühl sehr genau: Wie unterscheidet sich echter Hunger von Appetit oder dem Bedürfnis nach Ersatzbefriedigung? Wenn du lernst, beides zu unterscheiden, fällt es dir leichter, nur noch bei Hunger zu essen.
  10. Wenn du merkst, dass all diese Tipps dich nicht weiterbringen, dann suche dir Hilfe. Lass dich von einem unserer Psychotherapeuten beraten. Manchmal braucht man einfach Rückmeldung von außen, um klarer zu sehen.

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