Angst bei Kindern

Ängste bei Kindern – „Ist das noch normal?“

Angst gehört zum Leben dazu, auch und gerade bei Kindern. Doch bei etwa jedem zehnten Kind und Jugendlichen in Deutschland nimmt die Angst ein Ausmaß an, das nicht mehr gesund ist. Angststörungen wie Trennungsängste, Phobien oder generalisierte Angststörungen sind die Folge. Doch wie unterscheidet man normale kindliche Ängste von Angststörungen?

Diese Kinderängste sind normal:

Jedes Kind kennt Ängste, mal mehr und mal weniger. Dabei kann es immer wieder zu Phasen kommen, in denen das Kind besonders ängstlich ist. Das ist vor allem immer dann der Fall, wenn die Kinder Neues wahrnehmen oder verstehen, es aber noch nicht einordnen können. Im normalen Verlauf entwickeln sie früher oder später Bewältigungsmöglichkeiten, sodass die Angst wieder nachlässt. Je nach Alter sind bestimmte Ängste ganz typisch: Schon Säuglinge haben zum Beispiel Angst vor lauten Geräuschen. Ab etwa sechs bis neun Monaten kommt eine Angst vor Fremden hinzu, oft
gefolgt von einer Angst vor Trennung von den Eltern. Im zweiten Lebensjahr stehen eingebildete Figuren wie Monster im Vordergrund. Auch Einbrecher oder der Tod können angstbesetzte Themen sein. Kinder im dritten Lebensjahr fürchten sich häufig vor Tieren, zum Beispiel Hunden. Auch das Alleinesein ist jetzt mehr oder weniger stark Thema. Im vierten Lebensjahr ist eine Angst vor Dunkelheit typisch. Ab dem Grundschulalter werden die Ängste vielseitiger: Die Kinder fürchten sich zum Beispiel vor Krankheit und Verletzung, vor sozialen Situationen, vor Gewitter oder vor der Schule. Wie stark die Ängste ausgeprägt sind und wie lange sie anhalten, ist vor allem eine Frage des Charakters. Aber auch der Umgang des Umfeldes kann eine wichtige Rolle spielen.

So kannst du ängstliche Kinder unterstützen:

Als Eltern würden wir unsere Kinder am liebsten vor allen negativen Gefühlen bewahren und auch die Angst von ihnen fernhalten. Das ist natürlich nicht möglich. Und es ist auch gar nicht sinnvoll. Ängste erfüllen wichtige Funktionen: Sie sichern das Überleben, indem sie uns vor Gefahren warnen. Wer keine Angst verspürt, bringt sich immer wieder in unnötige Gefahr. Angst ist also nichts Schlimmes, sondern eigentlich etwas Schützendes. Allerdings muss jedes Kind den Umgang damit erst lernen. Und hier sind wir als Eltern und Bezugspersonen gefragt. Unsere Aufgabe ist es, Kinder durch ihre Ängste zu begleiten und ihnen genügend Rückhalt zu geben, um sich auch in schwierigen Situationen auszuprobieren. Diese Tipps können helfen:

  • Nimm dein Kind in seiner Angst ernst. Erkenne an, dass es Angst hat, auch wenn du diese für unnötig hältst. Aussagen wie „Reiß dich mal zusammen!“ oder „Du kleiner Angsthase!“ sind abwertend und können die Ängste noch verstärken.
  • Umgekehrt solltest du die Angst nicht zu stark in den Vordergrund stellen. Ein Kind, das durch das Zeigen von Angst besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, wird möglicherweise noch mehr Ängste entwickeln.
  • Lass deinem Kind bei angstbesetzten Themen sein eigenes Tempo und gib ihm dabei Rückhalt. Zeige ihm deutlich, dass du ihm zutraust, den nächsten Schritt zu gehen. Sei aber auch zufrieden, wenn es ihn gerade noch nicht schafft. Gelassenheit und Geduld sind die Zauberworte im Umgang mit Kinderängsten.
  • Wichtig ist gleichzeitig ausreichender Freiraum: Dein Kind muss die Gelegenheit bekommen, kleine Risiken einzugehen. Es muss (je nach Alter) die Möglichkeit haben, alleine zum Bäcker zu gehen, auf das hohe Klettergerüst zu steigen und bei der Freundin zu übernachten. So gewinnt es Selbstbewusstsein und kann die Ängste abbauen.
  • Bereite dein Kind auf Trennungen vor! Immer wieder wird zum Beispiel im Kindergarten geraten, einfach in einem unbeobachteten Moment zu verschwinden. Doch damit nimmst du deinem Kind das Vertrauen darin, dass du zuverlässig da bist. Kündige deshalb rechtzeitig an, wenn ihr euch trennt, selbst wenn es nur kurzzeitig ist.
  • Manchmal lässt sich Angst bei Kindern lösen, indem du sie kreativ bekämpfst. Ein „Anti-Monster- Spray“ mit entsprechendem Etikett kann zum Beispiel Wunder wirken und viel Spaß machen. Vielleicht beschützt auch ein besonders starkes Kuscheltier das Kind oder das Halstuch von Mama gibt Kraft bei Trennungen.
  • Beobachte außerdem, wie du mit eigenen Ängsten umgehst. Wenn du bei jeder Spinne in Panik ausbrichst, zeigst du deinem Kind damit, dass es vor Spinnen Angst haben sollte. Das gilt natürlich auch für jeden anderen Fall. Es lohnt sich deshalb, deinen eigenen Ängsten mutig ins Gesicht zu blicken, für dich selbst und dein Kind!

Diese Warnzeichen sprechen für krankhafte Angst bei Kindern:

Typisch für die normalen, entwicklungsgerechten Ängste ist, dass sie nicht allzu stark ausgeprägt sind und nach einiger Zeit wieder verschwinden. Angststörungen bleiben dagegen sehr viel länger bestehen und können das Leben des Kindes stark einschränken. Aufmerksam werden solltest du bei diesen Warnzeichen:

  • Dein Kind äußert sehr häufig Angst, Sorgen und Befürchtungen.
  • Ängste bleiben im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern deutlich länger bestehen.
  • Das Kind meidet über längere Zeit die angstbesetzte Situation, auch wenn es sich damit deutlich einschränkt.
  • Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen, Herzrasen oder Schwindel treten vor oder während einer angstbesetzten Situation auf.
  • Angst bei Kindern kann nachts zu Problemen führen: Sie schlafen dann schlecht, träumen sehr intensiv oder können nicht ein- oder durchschlafen.

Wenn du dir unsicher bist, ob die Ängste deines Kindes noch im normalen Rahmen sind, kannst du dich an eine*n Kinderpsychologin*en oder -psychotherapeutin*en wenden und von ihr*ihm beraten lassen.